Innovations-Management

Wissensmanagement in der Medizintechnik: Die praktische Umsetzung

  • 14. September 2017

Die Schnittstelle von Medizin und Technik

Die Medizintechnikbranche beschäftigt sich mit der Schnittstelle von Medizin und Technik. Als Kombination aus technischen Erkenntnissen und medizinischen Sachkenntnissen fordert sie stets interdisziplinäres Denken und Handeln von ihren Akteuren. Das gilt insbesondere für den Forschungs- und Entwicklungsprozess. Er erfordert ein geeignetes Innovationsmanagement zur Übertragung bereits existierender Ideen in konkrete Produkte.

Zur Optimierung interner Prozesse

Die hohe Innovationsdynamik der Medizintechnikbranche gleicht einem Wettlauf zwischen den Unternehmen. Der stetig wachsende Wettbewerbsdruck, kombiniert mit den regulatorischen Neuerungen des Gesetzgebers, erfordert ein effektives und effizientes Innovationsmanagement im Unternehmen. Das gilt insbesondere für die im adäquaten Umgang mit Innovationen unverzichtbare Ressource Wissen. Je besser der Austausch einzelner Wissensträger im Unternehmen, desto innovativer die Entwicklung und Umsetzung neuer Lösungen. Kleine und mittelständische Unternehmen entfalten durch gelungenes Wissensmanagement ihr volles Innovationspotenzial. Ausserdem hilft es bei der Optimierung interner Prozesse. Bei gleichzeitig sinkenden Kosten gewährleistet es eine Verbesserung der Produktqualität sowie eine Steigerung der Produktivität.

Hilfe bei der Identifikation und Entwicklung von Innovationen

Schon jetzt erfreut sich der Einsatz effektiver und effizienter Innovationsmanagementsysteme im Bereich Forschung und Entwicklung einer relativ weiten Verbreitung. Etwa 43 Prozent der Unternehmen nutzen sie zur Unterstützung ihres Prozesses. Effektives und systematisches Wissensmanagement erleichtert massgeblich den Zugriff auf und die Nutzung von betriebsspezifischem Wissen. Ausserdem hilft es bei der Identifikation und Entwicklung von Innovationen.

Innovationen als Chance für die Wettbewerbsfähigkeit

Heutzutage stehen die Hersteller von Medizintechnikprodukten aufgrund des gestiegenen Preisdrucks durch nationale und internationale Gesetzgebungen vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen. Die von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägte Medizintechnikbranche begreift Innovationen als Chance für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Hierfür systematisieren Unternehmen ihren Umgang mit internem und externem Wissen. Wissensmanagement mit seinen Kernprozessen Wissenserfassung, Wissensentwicklung, Wissenstransfer und Wissensdistribution leistet hierbei einen wertvollen Beitrag. Sei es die Labortechnik oder die Elektromedizin: Die Innovationsstärke ist eines der wohl bezeichnendsten Merkmale der Medizintechnik. Unternehmen dieser Branche investieren durchschnittlich 9 Prozent ihres Umsatzes in den Bereich Forschung und Entwicklung.

Offene Kommunikation und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Für eine gute medizinische Versorgung hat Wissen einen hohen Stellenwert. Die Einführung eines Wissensmanagementskonzepts erfordert operative und strategische Massnahmen in Kombination mit offener Kommunikation und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Medizinisches Handeln entwickelt sich immer mehr und mehr zu einer wissensintensiven Dienstleistung innerhalb einer Informationsgesellschaft. Die Herausforderung unserer Zeit ist längst nicht mehr nur der Erwerb von Wissen, sondern auch dessen Filterung und Anwendung. Das gilt insbesondere auch für das Gesundheitswesen.

Die Implementierung von Wissen durch Leit- und Richtlinien

Längst halten in vielen Bereichen der Medizintechnik Informations- und Dokumentationssysteme Einzug. Die praxisgerechte Anwendung, Beschaffung und Zusammenführung von Wissen bereitet dennoch häufig Schwierigkeiten. Unverzichtbare Werkzeuge zur Implementierung von Wissen – und damit für den Transfer von Handlungsempfehlungen in individuelles, patientenorientiertes Handeln – sind in diesem Zusammenhang vor allem Leitlinien und Standardprozeduren. Sie dienen der Definition des Vorgehens sowie der Darlegung und Bewertung der Versorgungsaufgabe.

Diverse operative und strategische Bausteine

Wissensmanagement umfasst mehr als nur die Umsetzung von Pfaden sowie Leit- und Richtlinien. Sein Ziel ist die Kombination von Wissensquellen aus prozeduralem und medizinisch-inhaltlichem Organisationswissen. Das Konzept hat zahlreiche Ursprünge. Als Modell handelt es sich um einen Wissenskreislauf aus diversen operativen und strategischen Bausteinen. Am Anfang dieses Kreislaufs steht die Definition von Wissenszielen. Es folgt die Identifikation von Expertenwissen oder risiko-behaftetes Wissen innerhalb der Organisation. Dabei ist das risiko-behaftete Wissen solches zu Kernprozessen des Unternehmens. Unverzichtbar sind die Speicherung, Bewahrung und Verteilung ebendieses Wissens auf vielen verschiedenen Ebenen – darunter der Aufbau von Expertenzentren oder die Durchführung von Seminaren und Fortbildungen. Die praktische Umsetzung eines Wissensmanagements in der Medizintechnik stellt die Leitungsebene einer Einrichtung vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen. Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg des Vorhabens ist der Einsatz von IT-basierten Werkzeugen. Die praktische Umsetzung eines solchen Konzepts bedarf einer hohen Kompetenz in der (Mitarbeiter-)Führung. Kritische Erfolgsfaktoren sind interdisziplinäre Zusammenarbeit und offene Kommunikation und ein effektiver und User-orientierter Prozess.